Wenn der Weltlachtag dein Picknick unterbricht

An einem herrlich-sonnigen Sonntag Anfang Mai haben Luise und ich uns nach dem Godi im Schlossgarten hingelegt und ein wenig gedöst. Ich hatte nicht allzu gut geschlafen und war froh, etwas Ruhe zu haben. Immerhin ist der Schlossgarten nicht so mit Musikboxen und lautstarken Menschen bevölkert wie der Aasee.

Doch nach wenigen Minuten kam eine interessante und ganz unerwartete lachen3.jpegUnterbrechung… Ein großer Kreis mit ca. 40 Menschen bildete sich und fing an, anlässlich des „Weltlachtags“ lustige Lachübungen zu machen. Auf einigen T-Shirts stand „Lüdenscheider Lachtreff – Ho ho ho ho“. Das war dann auch Programm – man hörte diverse Lachlaute in unterschiedlichen Tonlagen und bei verschiedensten Aktivitäten – z.B. ein menschlicher Tunnel, durch den alle lachend durchgehen mussten. Auch ein imaginärer Schwertkampf bei tosendem Beifall und Gelache war dabei. Manches Mal liefen sie auch einfach herum und lachten sich gegenseitig an.

Die um uns liegenden Menschen hatten ihren ganz eigenen Spaß, dieses Schauspiel zu betrachten. Da ich so etwas noch nie ansatzweise erlebt habe, wusste ich zunächst nicht so recht, wie ich auf dieses seltsam anmutende Ereignis reagieren sollte. Fünf Personen regten sich in mir:

1.) Der Zyniker

„Wie bekloppt ist das denn? Lachen auf Kommando? Lächerlich! Es gibt wirklich Menschen, die „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“ singen? Was sind das für Esoteriker/ Alternative/ Spezielle, die sowas machen?“

2.) Der Pragmatiker

„Nun ja, Lachen soll ja gesund sein, entspannt die Muskeln und so. Wenn es ihnen hilft…“

3.) Der Prediger

„Was macht die Menschen glücklich? Was ist die Quelle wahrer Freude? Wer ist der wahre Freudengeber? Neulich im Schlosspark sah ich eine Gruppe…“ Was für ein Aufhänger! Die Struktur einer Andacht flog mir quasi schon zu…

4.) Der Kulturanalytiker

„Deutsche Mittfünziger, die sich freiwillig zum gemeinsamen Lachen und kindlichen Spielen treffen? Was für eine Anomalie! Das passt gar nicht in mein Konzept. Nun, wir sind noch bunter und vielfältiger geworden…“

5.) Der Ästhet

Ist es nicht schön und wunderbar, wie diese bunt zusammengewürfelte Gruppe hier an diesem friedlichen Ort das Leben und die Freude zelebrieren? Bei so viel Zank, Pessimismus und Weltschmerz um uns herum strahlen diese Menschen Zuversicht und Frohsinn aus. Welch wunderschönes Bild!

Welche Person hatte letztlich die Deutungs-Oberhand? Es wäre schön zu sagen, dass der Zyniker in mir komplett verstummt wäre, aber ein bisschen Restbelustigung kann ich nicht leugnen. Aber ich möchte versuchen, nicht nur in dieser Situation den allzu zynischen oder analytischen Stimmen in mir zu viel Raum zu geben… 🌞

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